Edition des Förderkreises WMW – 2018 Raphael Egli

Kategorien Werkstatt Martin Wallimann

Ja, es ist ein Holzschnitt!

Die geschmeidige Weichheit der mehrfarbigen Komposition von Raphael Egli lässt anfänglich überhaupt nicht an diese Technik denken. «Holzschnittartig» nennt man bekanntlich Meinungen oder Sichtweisen anderer, die wir als reduktionistisch und als gar zu einfach abzuwerten beabsichtigen. Raphaels Blatt führt hingegen das stupende Potential dieser Technik vor, vorausgesetzt, man denkt sie als Künstler gelegentlich mal wieder neu, gelegentlich mal wieder etwas anders. Malerisch und voller Entspanntheit legen sich die Farbnebel aufeinander, fast berührungsscheu, wie Pastellkreide liegt die puderige Farbe auf dem edlen asiatischen Papier, welches vom Künstler doppelt doubliert (– mir sei dieser schöne Pleonasmus doch bitte gegönnt! –) wurde. Mit Tusche aus eben diesen Gefilden – bekanntlich und ohne Zufall jene Weltgegend, die vermutlich die grossartigsten Beispiele der vorliegenden graphischen Technik hervorgebracht hat – kalligraphiert unser Künstler den Umraum des Papiers schwarz. Der Duktus franst aus, zum zentralen Motiv hin, und macht jedes Blatt vollends zum malerischen Unikat. Letzteres ein Wort, das Raphael nicht mag, Er ist mit Recht der Auffassung, dass alle seine Werke das kleinmütige Prädikat „Unikat“ nicht benötigten. Entsprechend unkonventionell ist die 20iger-Auflage rückseitig nummeriert. Und tatsächlich verbietet es sich vor dem zauberischen kleinen Blatt, mit seiner Grosszügigkeit, seiner Direktheit bei gleichzeitiger Intimität an etwas anderes als an –Einmaligkeit– zu denken.

(Christian Kathriner, im März 2018)