13.03. – 06.06.2017

Mit Raphael Egli ( geb. 1975 in Wil SG, lebt in Luzern ) zeigt der 13er Kunsttre in seinem Aus­ stellungsraum im Nidwaldner Museum Stans einen genuinen Maler. Und zwar einen, der seit Jahren durch seinen ebenso stetigen wie eigenwilligen Weg herausfordert. In den Stanser Winkelriedkeller bringt er eine Reihe ausgewählter Werke aus letzter Zeit, in einer vom Künstler vorgenommenen, auf den Raum subtil abgestimmten Hängung.

Beim Betrachten der 9 teils recht kleinen Gemälde zeigt sich: es sind wenig überraschend
die alten Fragen, die den jungen Maler beschäftigen. Insofern ist der provokative Titel der Ausstellung « Ich möchte deinen Körper spüren » durchaus programmatisch zu verstehen. Denn es geht dem Künstler entschieden auch um Erotik, allerdings um eine Erotik der malerischen Erkenntnis. Und sollte dieser Terminus dem Betrachter bereits ein Stirnrunzeln bescheren, muss er gewarnt werden, denn er steht erst am Anfang von weiteren Unterscheidungsdilemmas im Reich der Ununterscheidbarkeiten, welche diese Malerei ihm abverlangen werden. Erwähnt sei stellvertretend für viele andere Eigenschaften der todernste Witz dieser Bilder, ihre meisterliche Stümperhaftigkeit, ihr vollendetes Non­ nito. Vor diesen Bildern steht man und dabei setzt unverzüglich die begri iche Kernschmelze ein. Peinture tritt im geschwisterlichen Verein mit Geschmiere auf, souveräne intellektuelle Konstruiertheit amalgamiert mit heiterster Naivität. Es sind Bilder von spektakulärer Langeweile, Ihre Heroik speist sich aus der Beobachtung des noch so Nebensächlichen. Der Maler weiss: kein Motiv, kein Erlebnis oder Ereignis ist gering zu schätzen, denn es gibt vielleicht allemal einen Grund für ein Gemälde ab.

Bei der Malerei von Raphael Egli handelt es sich aber eben auch nicht um die übliche verschmitzte Ironie­Kunst, die sich demonstrativ selber relativiert und klein macht. Eine Kunst, die bekanntlich in diesem Land besondere Urständ feiert, und entsprechend häu g auftritt und gern gesehen ist. Deren Erfolgsrezept ist schnell erklärt, denn sie entlastet beide Seiten des ästhetischen Geschäfts ungemein: Den Künstler, der es ja nicht so ernst meint, genauso wie den Betrachter, der ein möglicherweise existenzielles Erlebnis nicht fürchten muss!

Wie Tag im Verhältnis zur Nacht argumentiert dagegen diese Malerei: als wäre er als junger Maler mit dem Namen Raphael nicht schon genug und mit einer geradezu uneinlösbaren Hypothek beschwert, sucht er demonstrativ des Zwiegespräch mit den grössten Leistungen des Metiers, um es dann in einer ebenso abrupten wie eleganten Wendung in sein Ureigenstes zuverwandeln.InseinemBild«DieHändebetrachten»(Ölauf Leinwand,43cm×55cm,
2016 ) etwa, ist der mehrfach prismatisch gebrochene Dialog mit einem der grossartigsten Bilder der Malereigeschichte eingeschrieben, nämlich mit Antonellos Verkündigung. Natürlich ist nicht mehr jene Übernatürliche, Schöne, jene « Magd des Herrn » zu sehen, mit ihrem atemberaubenden, vermutlich ehemals ultramarinblauen Umhang. Doch das Bild aus dem Jahre 2016 vermag das magistrale alte Meisterwerk vor unserem Auge aufscheinen zu lassen und bietet in seiner eigenen Bildlichkeit eine Lesart, als Au orderung zu einer sowohl verständigen wie befreiten Lektüre der Bilder.

Vernissage: 13. März 2017, 18–21 Uhr
Tischgespräch: 27. Mai 2017, 14 Uhr

Nidwaldner Museum, Winkelriedhauskeller
Engelbergstr. 54 a, Stans

Öffnungszeiten: Mi 14–20 Uhr | Do–Sa 14–17 Uhr | So 11–17